Herzlich Willkommen auf der Webseite der Abteilung 76!
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Weitere Termine:
10.8. 2010 Funktionärsversammlung
25.8.2010 Stadteiltag von Frank Jahnke
28.8.2010 Einschulaktion
04.9.2010 Lietzenseefest
07.9. 2010 Funktionärsversammlung
21.9. 2010 Mitgliederversammlung
05.10.2010 Funktionärsversammlung
Veroeffentlicht am_Datum 10.07.2010
(zum Download unter beschlossene Anträge)
Stellungnahme zum Beschluss des SPD-Präsidiums vom 15. März 2010 „Fairness auf dem Arbeitsmarkt“
Wie auf jedem Markt begegnen sich auf dem Arbeitsmarkt Verkäufer und Käufer. Die einen bieten die Ware Arbeitskraft, die Quelle allen Reichtums, die anderen die Ware Geld. Diese Waren tauschen sie aus. Den Preis bestimmt die beiderseitige Stärke, das Kräfteverhältnis.
Letzteres ist seit Jahrzehnten gestört, die Anbieter der Ware Geld haben ein Übergewicht. Das hat vielfältige Ursachen. Eine davon ist die technische Revolution. Die Geldbesitzer haben sie genutzt und immer mehr menschliche Arbeitskraft ersetzt. Auf großzügige Unterstützung des Staates konnten sie zählen, soweit es ihnen möglich war, ihn zu beherrschen. Dadurch hat die Fähigkeit der Gewerkschaften dramatisch abgenommen, die Kraft der Arbeiter und Angestell-ten zu bündeln und damit die Höhe des Preises der Ware Arbeitskraft zu beeinflussen.
Dieser Sachverhalt besteht im Grundsatz fort, bei aller Differenzierung auf Seiten der Unter-nehmer und Selbständigen wie der abhängig Beschäftigten; er wird von den Autoren des zur Debatte stehenden Papiers ignoriert.
Märkte benötigen Regeln – wie der Sport. Hier auf „Fairness“ oder Kräfte der Selbstheilung zu setzen, widerspricht der menschlichen Natur. Das zeigt die Finanzkrise. Mehr denn je muss der Staat gerade auf dem Arbeitsmarkt einen Ausgleich des Kräfteverhältnisses herbei führen. Getan hat er das Gegenteil. Auch das verschweigt das Papier. Regierungen haben den Kündi-gungsschutz aufgeweicht, Befristungen von Arbeitsverhältnissen ohne Sachgrund erlaubt, Leiharbeit so gut wie ohne jede gesetzliche Beschränkung zugelassen. Hinzugekommen sind die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe auf dem Niveau der letzteren und die Kürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.
Für diese „Reform“ ist unsere Partei maßgeblich verantwortlich. Sie hat Angst ausgelöst, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch bei den Menschen, die einen Arbeitsplatz haben, aber befürchten müssen, ihn zu verlieren und früher oder später auf den Status Hilfsbedürftiger abzurutschen.
Deshalb stößt die Agenda 2010 keineswegs nur auf „Akzeptanzprobleme“, sondern sie wird von vielen abgelehnt. Das haben die Wahlergebnisse seit 2004 gezeigt. Nicht nur die Stimm-resultate der beiden „Volksparteien“ sind zurückgegangen, sondern auch die Beteiligung an den Wahlen selbst. Immer weniger Menschen sind mit dem Rückzug des Staates aus seiner Sozialverantwortung einverstanden, immer mehr glauben, dass private, durch niemanden kon-trollierte Kräfte wichtige Entscheidungen treffen, Staaten und ihre Parteien faktisch entmach-tet sind und durch die Verursacher von Krisen bei Bedarf als „Retter“ missbraucht werden, unfähig zur Hilfe für das Gemeinwesen. Enthaltung bei Wahlen ist die Konsequenz.
Darüber sagt das Präsidium nichts. Wir bezweifeln, ob „Gerechtigkeits- und Moralvorstellun-gen, die aus der Erfahrung der Arbeit erwachsen ... unsere Kultur und das politische Denken prägen.“ Stets ging es darum, die Arbeit möglichst gewinnbringend einzusetzen.
Diese Philosophie stößt heute an ihre Grenzen. Deshalb muss ein annähernd ausgewogenes Kräfteverhältnis u. a. auf dem Arbeitsmarkt wieder hergestellt werden. Dabei spielt das „Normalarbeitsverhältnis“ eine tragende Rolle. Insoweit hat das Präsidium recht.
„Normal“ ist kein Arbeitsverhältnis, das darin besteht, einen Arbeiter oder Angestellten in-nerhalb eines Konzerns auszuleihen einzig und allein zu dem Zweck, Löhne und Gehälter zu drücken. Das Papier will diesen Missbrauch „begrenzen“, warum nicht abschaffen?
„Normal“ ist auch kein Arbeitsverhältnis, von dessen Verdienst ohne „Aufstockung“ niemand leben kann. Der auf die Pleite zusteuernde Staat subventioniert diejenigen, die Hungerlöhne zahlen. Daran ändern Entsendegesetz und „Kommunal-Kombi“ wenig. Letzterer hat nicht verhindern können, dass „zusätzliche“ subventionierte Arbeit reguläre verdrängt. Deshalb und angesichts des Kräfteverhältnisses auf dem Arbeitsmarkt ist die Einführung des flächende-ckenden gesetzlichen Mindestlohns lebensnotwendig. Gleichrangig ist ein Verbot der Tarif-flucht. Ausgliederungen – insbesondere im Öffentlichen Dienst, deren einziger Zweck darin besteht, Tarifverträge zu unterlaufen, sind durch Änderungen des Gesellschaftsrechts zu un-terbinden.
„Normal“ ist schließlich kein Arbeitsverhältnis, das eine Befristung an die andere reiht. „Ket-tenvertrage“. waren früher unzulässig, aus guten Gründen. Sie haben den Kündigungsschutz gestützt und den Arbeitgeber daran gehindert, nach dem Prinzip „Hire and Fire“ zu verfahren. Warum kündigen wir nicht an, mit dieser Praxis Schluss zu machen, die jede Zukunfts- und Familienplanung der jungen Generation verhindert?
Das Papier sorgt sich um die Zukunft der Arbeit und befürchtet einen Fachkräftemangel. Doch der ist längst da. Ein Blick in die einschlägigen Statistiken genügt. Der Widerspruch Arbeitslosigkeit – Mangel an Fachkräften wird früher oder später nicht mehr aufzulösen sein, wenn unser Land sein Bildungssystem nicht total umkrempelt. Die von uns mit beschlossene Föderalismusreform I steht dem entgegen. Seither hat der Bund in Sachen Schulwesen nichts mehr zu melden, die Platzhirsche in den Ländern können schalten und walten wie sie wollen. Ganztagsschulen und Pläne verlängerten gemeinsamen Lernens werden gefördert – oder auch nicht, eine eklatantere Versündigung an den Interessen kommender Generationen kann es nicht geben.
Warum fordern wir die Union nicht auf, gemeinsam mit uns diesen katastrophalen Fehler zu korrigieren? Halten wir das „politisch für nicht durchsetzbar“? Misstrauen wir unseren eigenen Argumenten? Sorgen wir uns um unsere Glaubwürdigkeit? Letztere würde gewiss durch eine radikale Umkehr in der Bildungslpolitik nicht leiden. Eher im Gegenteil.
Last but not least: die Mitbestimmung von Aufsichts- und Betriebsräten. Sie ist in allen Un-ternehmen notwendig, nicht nur in der Montanindustrie und in den Firmen, die 1976 von der paritätischen Mitbestimmung erfasst wurden, sondern auch in den zahllosen Betrieben des Handels, der Gastronomie und der freien Träger im „Dritten Sektor“, in denen eine Vertretung der Arbeitnehmer nicht existiert und die insoweit als rechtsfreie Räume gelten. Auch darüber schweigt sich das Papier aus.
Mit diesen Beispielen soll es vorerst sein Bewenden haben. Sie zeigen einen grundlegenden Mangel des Papiers auf: Das Unvermögen der Autoren, den nach wie vor gegebenen Gegen-satz zwischen Kapital und Arbeit auf die moderne Entwicklung zu beziehen und ein Pro-gramm zu entwickeln, das ebenso nachvollziehbar wie verständlich ist und jenen Idealismus vermittelt, ohne den keine Bewegung auskommt, welche die soziale Demokratie auf ihre Fah-nen geschrieben hat.
( SPD – Abteilung 04 76 – Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf )
Veroeffentlicht am_Datum 10.07.2010
Wichtig: Die nächste Funktionärsversammlung wurde auf den 10.August 2010 um 19.30 vorverlegt!! Dafür fällt der Termin am 17.8. aus.
Einladung zur nächsten Mitgliederversammlung
Dienstag, 21. September 2010 19.30 Uhr
im Bürgerbüro in der Goethe Str. 80
Wir freuen uns auf Dein kommen! Gäste sind willkommen!
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Veroeffentlicht am_Datum 10.07.2010