Herzlich Willkommen auf der Webseite der Abteilung 76!
Liebe Genossinnen, liebe Genossen,
herzlich laden wir Euch zu unserer nächsten offenen Mitgliederversammlung ein:
Am 18. Oktober 2011 um 19.30
in der Goethestr. 15.
Thema des Abends ist
Die Finanzkrise und die Folgen
Als Referenten konnten wir
Christian Unger und Florian Moritz
gewinnen.
Christian Unger ist Referent der SPD Bundestags-Fraktion mit den Schwerpunkten Haushalt und Fi-nanzen in dem Büro des Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Joachim Poß.
Florian Moritz arbeitet beim Bundesvorstand des Deutscher Gewerkschaftsbunds in der Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik und ist für Europäische und internationale Wirtschaftspolitik zu-ständig.
Die Finanzkrise, die 2007 mit einer Bankenkrise begann, hat sich ausgeweitet. Die Milliardenbeträge, die u.a. durch Gesetze, wie EFSF und ESM mobilisiert werden, werden täglich größer. Ein Ende ist nicht abzusehen. Weitere werden folgen. (Auf der Rückseite findet Ihr eine zusammenfassende Übersicht.)
Was für Folgen hat diese Krise für Europa?
Welche Folgen entstehen für die ArbeitnehmerInnen in Europa und Deutschland?
Regieren uns schon die Finanzmärkte? Steht die parlamentarische Demokratie auf dem Spiel?
Von daher wird es sicher eine interessante Diskussion geben, die uns helfen soll, Positionen zu erarbei-ten.
In der Hoffnung, gemeinsam mit Euch diskutieren zu können, verbleibe ich
mit solidarischen Grüßen Euer
(Gotthard Krupp, Abteilungsvorsitzender)
Zuschriften: SPD-Abt.76; Goethestr. 15; 10623 Berlin; GotthardKrupp(at)t-online.de
------------------------------------------------------
Erläuterungen zu einigen Begriffen aus der Diskussion zur Frage der Finanzkrise
Es handelt sich um folgende Gesetzespakete und Maßnahmen:
• Im Frühjahr wurde der „Euro-Plus-Pakt“ von den europäischen Regierungschefs vereinbart und beschlossen.
• Im September wurde das Gesetz zur Aufstockung und Kompetenzerweiterung des EFSF im Bundestag verabschiedet.
• Im November soll die so genannte Griechenlandhilfe folgen und wahrscheinlich
• im Januar soll der ESM verabschiedet werden.
Der Euro-Plus-Pakt – ursprünglicher Name „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“ - Mit diesem Pakt sollen alle Länder im Namen eines strikten Schuldenabbaus nach dem Prinzip der Schuldengrenze zu drastischen Maßnahmen gezwungen werden: zum Eingriff in die Tarifautonomie durch die Forderung nach gemäßigten Lohnsteigerungen im Öffentlichen Dienst und durch eine allgemeine Kontrolle über die Entwicklung der Löhne, der Lohnstückkosten. zu „Reformen“ des Arbeitsmarktes, der Rente und der sozialen Sicherungssysteme. Der Pakt soll einen neuen Schub geben in der Zersetzung der sozialen Si-cherungssysteme, der Deregulierung des Arbeitsmarktes, des Arbeitsrechts und der Arbeitsverhältnisse, der Tarifvertragssysteme und des Lohndumpings.
EFSF: Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF, englisch European Financial Stability Facility) wurde im Juni 2010 gegründet. Sollte ein europäischer Krisenfall eintreten, dann können die EFSF Anleihen bis zu 440 Milliarden Euro (inzwischen 700 Mrd.) betragen, für den die Mitgliedstaaten haften. Diese Gelder werden in Form von Krediten an finanzschwache Staaten verliehen, die sich am Kapitalmarkt keine Kredite mehr leisten können. Hilfsgelder werden nur gegen von der „Troika“ (EU, EZB und IWF) festgelegte strenge Auflagenprogramme gewährt. Der Euro-Plus-Pakt bietet für solche Auflagen schon heute ein reichhaltiges Reservoir von Maßnahmen, die tief in das nationale Recht, in Arbeitnehmerinnen-/Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte einschneiden.
Die so genannte „Griechenlandhilfe“ ist eine Finanzierung für die privaten Gläubiger, Banken, In-vestmentfonds und Versicherungen zur Rettung ihrer Forderungen und Zinsgewinne - und nicht für die griechische Bevölkerung.
Sparpakte für Griechenland: Im Einzelnen sieht das Sparpaket für Griechenland bis 2013 vor: Höhere Steuern, Kürzung von Sozialleistungen, Entlassungen im öffentlichen Dienst, Privatisierung von Staats-besitz.
Da der ESFS bis 2013 begrenzt ist soll er dann durch den ESM (Europäische Stabilitätsmechanismus) ersetzt werden, einem dauerhaften, beliebig erweiterbaren Rettungsschirm – der faktisch jeglicher par-lamentarischen Kontrolle und damit demokratischer Legitimation entzogen ist. Der ESM stellt einen 700-Milliarden-Fonds für Hilfsgelder an „vom Bankrott bedrohte Länder“ zur Verfügung und ist unmit-telbar mit der Auflage drastischer Sparprogramme (mit dem Euro-Plus-Pakt) verbunden. Er durchbricht nicht den Kreislauf der Finanz-Spekulation (wie auch sein Vorgänger EFSF), sondern verschärft die Probleme.
Gotthard Krupp
